{"id":702,"date":"2023-05-05T09:57:09","date_gmt":"2023-05-05T07:57:09","guid":{"rendered":"http:\/\/marcoschuler.net\/aktuell\/?p=702"},"modified":"2023-05-05T09:57:09","modified_gmt":"2023-05-05T07:57:09","slug":"monopol-magazin-marco-schuler-in-der-kunsthalle-darmstadt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marcoschuler.net\/aktuell\/2023\/05\/05\/monopol-magazin-marco-schuler-in-der-kunsthalle-darmstadt\/","title":{"rendered":"Monopol Magazin:          Marco Schuler in der Kunsthalle Darmstadt"},"content":{"rendered":"\n<p>Marco Schuler in der Kunsthalle Darmstadt<\/p>\n\n\n\n<h1>Das zentrale Credo: Alles ist schon da<\/h1>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img src=\"https:\/\/assets.monopol-magazin.de\/styles\/min_autox1000\/public\/2023-05\/01marcoschulerdialogkleingross.jpg?itok=-bzf5A3_\" alt=\"Marco Schuler &quot;Dialog klein gro\u00df&quot;, 2022\"\/><figcaption><small>Foto: \u00a9 Marco Schuler<\/small> Marco Schuler &#8222;Dialog klein gro\u00df&#8220;, 2022<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Text<br><strong><a href=\"https:\/\/www.monopol-magazin.de\/autoren\/katharina-cichosch\">Katharina Cichosch<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Datum<br><strong>03.05.2023<\/strong> <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/getpocket.com\/save?url=https:\/\/www.monopol-magazin.de\/marco-schuler-kunsthalle-darmstadt\" target=\"_blank\"> <\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Da Vinci trifft Buster Keaton und bewirtschaftet den mentalen Bauernhof: Der K\u00fcnstler Marco Schuler erschafft in der Kunsthalle Darmstadt ein Universum aus liebenswert geheimnisvollen Wesen. Das Beste: Man muss es nicht mal verstehen<\/p>\n\n\n\n<p>Die besten Kinderbuch- und sp\u00e4ter Serienfiguren waren immer jene, die ein bisschen zwischen den Kategorien steckten. Die nicht nur lieb und s\u00fc\u00df, gut und integer, sondern vielleicht auch latent gruselig, zweigesichtig, indifferent wirken konnten. Die eine Verunsicherung stifteten, die L\u00fccken aufmachte zwischen der Erz\u00e4hlung und der ultimativen Identifikation mit ihren Bildern. So \u00e4hnlich kann es einem heute noch bei Marco Schuler ergehen, der jetzt in der Kunsthalle Darmstadt ausstellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Schon vor dem Ausstellungsbau der Auftritt des &#8222;Radix&#8220;, einer \u00fcbergro\u00dfen Zinkskulptur, die in zweifacher Ausf\u00fchrung entwaffnend fr\u00f6hlich \u00fcber den Vorplatz strahlt und dabei mit ihren spitzen Zacken in \u00fcbermenschengro\u00dfer Dimension trotzdem einen Hauch von Gefahr verstr\u00f6mt. Oder eher, ein Potenzial von Gef\u00e4hrlichkeit. Und wohin dann wieder mit der freundlichen Albernheit? Es ist offenbar gar nicht so trivial, diesem Wesen zu begegnen, das jenseits jeglicher Kunstmarktcoolness existiert, aber auch nichts vom zug\u00e4nglichen Massenappeal zum Beispiel der ubiquit\u00e4ren Kaws-Figuren hat. &#8222;Eine gelungene figurale Kreuzung aus Christkind und Gartenzwerg&#8220;, hei\u00dft es dazu auf der Seite des K\u00fcnstlers, die man zwecks Einordnung an dieser Stelle aufrufen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Das gibt es jedenfalls auch nicht mehr alle Tage: Eine relativ gro\u00df angelegte Schau, die quasi ohne Interpretationsempfehlungen und ellenlangen Pressetext auskommt. Die keine kuratorische Deutungshoheit f\u00fcr sich beansprucht, blo\u00df ein paar recht eigenwillige Assoziationen hinwirft (&#8222;den mentalen Bauernhof bewirtschaften&#8220;, &#8222;Da Vinci trifft Buster Keaton&#8220;). Was in diesem Fall ein gro\u00dfes Gl\u00fcck ist, denn so steht man den Wesen, Figuren und Szenarien unvermittelt gegen\u00fcber, nur auf die eigenen Assoziationen zur\u00fcckgeworfen, manchmal unschl\u00fcssig, was man von diesem oder jenem zu halten h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p>Figuren als Subjekte ihrer eigenen Welt<\/p>\n\n\n\n<p>Insofern passt Schuler sehr gut ins Ausstellungshaus mit seiner wohl bewusst minimalistisch gehaltenen Textpolitik, wo er jetzt nicht nur Vorplatz und Galerie, sondern auch den gro\u00dfen Oberlichtsaal bespielt \u2013 und zwar in doppelter Bildreihung \u00fcbereinander und noch dazu in Form kleiner, ihrerseits freundlich dreinblickender Skulpturen als Absperrungslinie vor den Bildern, was eine angenehme \u00dcberforderung ergibt. Viele Motive stammen aus den Jahren 2022 oder gar 2023, es sind (Post-)Coronawerke, eine offenbar h\u00f6chst produktive Zeit f\u00fcr Schuler.<\/p>\n\n\n\n<p>Im gro\u00dfen Raum wartet so eine ganze Armada reizender Entit\u00e4ten in fabelhaften Farbr\u00e4umen auf; Gespenster, Aliens, Tiere, Fratzen, Pilzh\u00fcte oder Quallen mit F\u00fc\u00dfen, M\u00e4rchenfiguren und Fabelwesen, manche menschlicher als andere, die aus Dachluken schauen, sich zur Cheerleader-Pyramide formieren oder vor neonfarbig illuminierten Schl\u00f6ssern marschieren. Einige k\u00f6nnten entfernte Verwandte von Miriam Cahns geisterhaften Figuren sein, andere eher mit Andr\u00e9 Butzers comicartigen Leinwandwesen zarte famili\u00e4re Bande teilen, wieder andere aus ebenjenen Kinderb\u00fcchern oder Computerspielen entsprungen sein, ohne sich so jeweils hinreichend beschreiben zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele blicken geradezu schmerzvoll aufgeschlossen in die Welt (in anderen Kontexten wurde daf\u00fcr das Wort &#8222;verstrahlt&#8220; erfunden). Alles, was wir unseren Mitmenschen so andichten und auf sie projizieren, es scheint sich in Schulers Figurencast zu manifestieren. Manche m\u00f6chte man regelrecht besch\u00fctzen. Anderen traut man wom\u00f6glich, gerade ob ihrer Offenherzigkeit, selbst nicht ganz \u00fcber den Weg. Allesamt aber sind sie Subjekte ihrer eigenen Welt, brauchen ihr Publikum vielleicht gar nicht, das sie fasziniert bis fragend anstarrt, und vielleicht liegt hierin ihr eigentliches, irritierendes Geheimnis. Von wenigen Pinselstrichen bis zu dreidimensionalen Skulpturen<\/p>\n\n\n\n<p>Wenngleich das Grundrepertoire schnell abgesteckt ist, wird einem bei Marco Schulers Szenerien auch nach 40, 50 Werken nicht langweilig. Seine Bildr\u00e4ume funktionieren als wirkliche R\u00e4ume, obwohl sie selten deren Illusion anstreben. Sehr spezifische, oft sehr komische Szenarien entwirft Schuler, der urspr\u00fcnglich als Bildhauer ausgebildet wurde und Meistersch\u00fcler bei Olaf Metzel in M\u00fcnchen war, da in Serie; auf Leinwand, mit wenigen Pinselstrichen und Farben, mal collagiert, mal Scherenschnitt, manchmal mit Leinwand als Material und in dreidimensionalen Skulpturen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im letzten Teil der Ausstellung, die sich in einem schmalen Zwischengang des Ausstellungsbaus abspielt, tritt der K\u00fcnstler selbst in Erscheinung: Auf kleinen Screens werden Videoarbeiten aus den Jahren 2008 bis 2009 gezeigt, die als eine weitere k\u00fcnstlerische Umkreisung desselben, wenngleich unbenannt bleibenden Kerns einleuchten. Sonderbar und geradlinig zugleich erscheinen die kurzen Loops, von denen jeder einzelne so gut unterh\u00e4lt, dass man sie gerne mehrfach anschaut (auch dies eine Qualit\u00e4t von Marco Schulers Kunst): \u00c4hnlich einer Traumlogik, in der auf die pervertierte Anwendung der Regeln und Zusammenh\u00e4nge kurz darauf schon die Einsicht folgt, <em>derart <\/em>habe selbstverst\u00e4ndlich alles genau seine Richtigkeit und nicht im bisher f\u00fcr richtig Befundenem.<\/p>\n\n\n\n<p>In dieser Dada-Selbstverst\u00e4ndlichkeit nimmt Schuler im orangefarbenen Overall die Dinge beim funktionellen Namen und tut, was man als Mensch mit ihnen tun kann: Kriecht einmal quer durch ein verlegtes Rohr im Waldboden, l\u00e4uft Treckerfahrgassen im Feld einmal komplett ab, besteigt einen \u00fcberh\u00e4ngenden Baum, um sich faultier\u00e4hnlich bis zu dessen Spitze entlangzuhangeln. Im Vorraum, in dem die Bilder und Wesen vom Boden bis zur Decke reichen, hat der K\u00fcnstler einen Satz versteckt, der wenig und viel erkl\u00e4rt: &#8222;Alles ist schon da!&#8220; Stimmt nat\u00fcrlich immer irgendwie. Schulers Kunst nimmt sich, was ihr K\u00fcnstler im Atelier so vorfindet und wem er dort begegnet, und l\u00e4uft zusammen ins Offene.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Marco Schuler: Go! Go! Go!&#8220;, <a href=\"https:\/\/www.kunsthalle-darmstadt.de\/Programm_3_0_pid_684.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Kunsthalle Darmstadt<\/a>, bis 23. Juli<a href=\"https:\/\/www.monopol-magazin.de\/autoren\/katharina-cichosch\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<h2><a href=\"https:\/\/www.monopol-magazin.de\/autoren\/katharina-cichosch\">Katharina Cichosch<\/a><\/h2>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.monopol-magazin.de\/marco-schuler-kunsthalle-darmstadt?fbclid=IwAR3VAnvS1cnZKxfwcCWEjQnwNQoOzntbnecJOF3RBc2VPVum_4yDdSTYAgA\">https:\/\/www.monopol-magazin.de\/marco-schuler-kunsthalle-darmstadt?fbclid=IwAR3VAnvS1cnZKxfwcCWEjQnwNQoOzntbnecJOF3RBc2VPVum_4yDdSTYAgA<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.kunsthalle-darmstadt.de\/Programm_3_0_pid_684.html\">https:\/\/www.kunsthalle-darmstadt.de\/Programm_3_0_pid_684.html<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Marco Schuler in der Kunsthalle Darmstadt Das zentrale Credo: Alles ist schon da TextKatharina Cichosch Datum03.05.2023 Da Vinci trifft Buster Keaton und bewirtschaftet den mentalen Bauernhof: Der K\u00fcnstler Marco Schuler erschafft in der Kunsthalle Darmstadt ein Universum aus liebenswert geheimnisvollen Wesen. 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